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  • Philipp Rosendahl

Thoughts on Huxley

Die ismus Themen sind en vogue. Kein gesellschaftliches Gespräch ohne Sexismus oder Rassismus als Thema. Aber wo bleibt der Klassizismus? In einer Welt, in der sich jedes Individuum als self made product vermarkten muss, ist das Thema des Klassizismus schwierig zu verhandeln. Selbst die Themenfelder Sexismus und Rassismus sind vor diesem Hintergrund zweischneidig. Denn sie dienen auf einer Art der Entwicklung einer neoliberalen Idee. Nämlich der, dass jeder Mensch als Produkt die gleichen wirtschaftlichen Chancen bekommen soll, ohne banale psychische Belastungen in den Weg gelegt zu bekommen. Hier treffen sich zunächst die Humanisten und die Neoliberalisten, nur das Ziel ist ein anderes. Damit das um sich selbst kreisende Ich richtig funktionieren kann, braucht es das Gefühl nach Autonomie, Freiheit und Entfaltungsmöglichkeit. Dieses Gefühl können wir ihm vermitteln, wenn Geschlecht und Aussehen scheinbar keine Rolle spielen. Für die Wirtschaftlichkeit ist das besser, weil die Kraft in Verbrauch und Exzellenzstreben gesteckt werden kann, statt als heiße Luft im Raum der Probleme alter Gesellschaften zu verpuffen. Nur eben der Klassizismus würde dieser Idee dann noch enorm im Wege stehen. Ihn kann es ja eigentlich gar nicht geben, dieses Relikt aus alten Zeiten. Denn vor dem Spiegel sind wir alle gleich. Das müssen wir zumindest glauben, denn sonst streben wir ja nicht und streben ist das Futter für das Geld. Natürlich gibt es wohlhabendere und ärmere, aber im Grunde gehören wir doch alle der gesunden Mittelklasse an, so zumindest sagt es das Gefühl (eine wirkliche Mittelklasse gibt es doch gar nicht mehr). Aber egal, denn die Chance haben wir alle und wenn wirs nicht schaffen, dann liegt das ja nicht an Klasse, sondern als uns, weil wir ja als Produkte unserer selbst auch selbst für uns verantwortlich sind. Wer also unten bleibt, der gehört nicht dazu. Auch nicht zu den Armen. Der gehört einfach nur nicht dazu. Dass in Wirklichkeit die Algorithmen die wahren ismus-maker sind, das können wir ganz gut vertuschen. Wir sehens ja auch nicht und unsere Zeit ist visuel. Aber Algorithmen sind ja dazu da, sie sollen ja kategorisieren und Kategorisierung bedeutet das Ausschließen von dem Dazwischen, dem was nicht der Norm entspricht. Also Nicht-Diversität. Wenn wir uns also in die Hände von Algorithmen begeben, dann begeben wir uns in ein striktes, unangreifbares Klassensystem. Unangreifbar, weil die Zahlen ja schließlich recht haben müssen. Sie haben es ja errechnet. Und wir vertrauen schließlich den Zahlen. Dass die Zahlen von mächtigen Menschen gemacht wurden und werden, das können wir uns kaum vorstellen, denn uns wird schließlich vermittelt, dass sie in unserem Interesse handeln. Tun sie ja auch. Sie ersparen uns die unangenehmen Themen. Warum schon sollte ich mich mit meinem Nachbarn streiten, wenn ich mich in meiner freiwillig ausgesuchten Welt (die bestimmt nicht der Gartenzaun ist!) mit Gleichgesinnten treffen kann. Warum soll ich mich mit der Familie streiten, wenn ich mein Glück für weniger Stress (und wahrscheinlich auch weniger Geld) einkaufen kann. Warum soll ich mich in die Hände des Zufalls, des Risikos, der Gefahr begeben, wenn ich mich in meiner selbst ausgesuchten Welt rumtreiben kann. Und warum soll ich mich mit meiner eigenen paradoxen Existenz rumquälen, wenn ich eine reine, schöne Form von mir haben kann? Wir brauchen kein moralischen Fundament, auf dem wir als Gesellschaft aufbauen, weil sich jeder sein eigenes Fundament (Platform) aussucht und seine Gesellschaft entsprechend auch. Das Anderssein


Warum schon sollte ich mich mit meinem Nachbarn streiten, wenn ich mich hier (weit weg von meinem Gartenzaun) mit Gleichgesinnten treffen kann. Warum soll ich mich mit der Familie streiten, wenn ich mein Glück für weniger Stress (und wahrscheinlich auch weniger Geld) einkaufen kann. Warum soll ich mich in die Hände des Zufalls, des Risikos, der Gefahr begeben, wenn ich mich in der Welt, in der ich gemeint bin, rumtreiben kann. Und warum soll ich mich mit meiner eigenen paradoxen Existenz rumquälen, wenn ich eine reine, schöne Form von mir haben kann? Wir brauchen kein moralischen Fundament, auf dem wir als Gesellschaft aufbauen, weil wir für jeden eine eigene Platform geschaffen haben.


Ohnmächtig schaut die Gelehrtenrepublik auf die sozialen Zerrüttungen des 21. Jahrhunderts und ruft nach dem intelligenten Spam-Filter, dem revolutionären Hate-Speech-Gesetz. Der Konsens in der Sache ist: Da sind verschiedene Menschengruppen, welche die Sitten und Traditionen unserer abendländischen Kultur nicht/ nicht mehr verstehen und deshalb ausgeschlossen gehören. Aber was war das denn nochmal? Diese Kultur? Und wo kann man sie nachschlagen? Sind die gleichen Menschen die nun behaupten, der Hass gehöre nicht zu ihnen und deshalb ausgesperrt, diejenigen, welche durch Programmierung von Algorithmen neue soziale Klassen generieren?; Die gleiche Elite, welche selbst Bildung und Kultur in metrische Systeme einordnet, um durch Rankings, Ratings und Scorings eine neue, mächtige Cyber-Hierarchie zu schaffen?

Big data überfordert uns und wir brauchen (offensichtlich) post christliche, messbare Parameter um klarzukommen. Die neue Religion der Zahlen hilft uns, Verhaltensweisen, Menschen, Universitäten etc. global einzuordnen. Der Kult des Allesmessens macht uns leistungsstärker und effizienter, schafft Ranglisten und globale Vergleiche und so neue soziale Systeme. Einziges Problem und Hindernis in dieser Anordnung sind menschlichen Emotionen, die nur partiell messbar und kontrollierbar sind. Was aber, wenn die Schlechtergestellten um ihre Einordnung nicht wissen? Und wenn die Elite die Emotionen in "safe places" zelebriert, um sich dann wieder der Optimierung im metrischen Sinne anzunehmen? Man könnte alles liken, müsste nicht mehr denken und könnte sich im Tal der Glückseligen währen, während im Tal der Rechner die ungeliebten Arbeiten verrichtet werden: Die intellektuelle und impulsive Verstümmelung in perfekter Symbiose mit dem wohligen Gefühl der Glückseligkeit.

Da wir uns (dummerweise?) alle zusammen in der Gemeinde der Zahlen befinden und die Regeln von ebendieser Gemeinde bestimmt werden, ist es wohl unvermeidbar sich den sozialen Fragen der schönen neuen Welt zu stellen.


junge menschen im zwang der "glücklichen" kapitalistischen selbstausbeuterischen Gesellschaft, welche auf dem don't think, be happy (no matter what) Prinzip aufgebaut ist und mit Drogen und emotionaler Suggestion belohnt. alle liken. durch sensationsablenkung und bilderfluten (-> fühlorama) passiert die intellektuelle und impulsive verstümmelung in perfekter Symbiose mit dem wohligen gefühl der Glückseligkeit. und um alle anderen werden eben zäune gebaut. vollständige kontrolle und Kategorisierung von allem im harmonischen miteinander mit der Gesellschaft. Bindungen, Beziehungen und weiterführendes denken kann ja nicht bestehen und dementsprechend auch keinen bedrohen. die unangenehmen menschlichen Kapazitäten sterben also einfach aus. Unmerklich.“


Es gab eine großartige Zeit des Hasses und der Spaltung der bürgerlichen Ordnung. Man versuchte, eine neue Form von Anstand und Verhalten in der Verfassung der verschiedenen Staaten einzuführen, aber die Art, wie Menschen Gesetze und Regeln verstanden, unterschieden sich so sehr voneinander, dass diese sogenannte Verfassung von den verschiedenen Gruppen entweder nicht akzeptiert wurde, oder aber wurde ganz anders gestaltet. Schließlich beschlossen die einzelnen Gruppen autonom zu handeln und der Kontakt zu den anderen wurde abgebrochen. Es gab eine soziale Ghettoisierung. In den Kriegen um Territorien und um die wirtschaftlichen Anteile, die sich ergaben, gab es in allen Lagern Menschen, die sich mit neuen sozialen Utopien beschäftigten, die Frieden und Glück suchten. Wir haben diese Stimmen gehört, ein Bild ihrer Träume und Wünsche gegeben, und wir bieten diese Utopie an. Vergiss die Schwierigkeiten des Lebens und folge uns in die schöne neue Welt.


Wir wissen es ja. Wir wissen es. Wirklich. Können aber nicht. Wir wissen es, können aber nicht. Können nicht. Können nicht mehr. Weiter. Obwohl wir es ja wissen. Wir wissen es und können nicht weiter. Ein tiefer Seufzer geht durch den Wald

Immer muss sich alles ändern. Immer. Immer sollen wir erfinden, erneuern. Ich sehe den Baum vor lauter Wäldern nicht mehr. Guck mal da! Wo? Na da! Ups, zu spät. Das wars dann auch schon wieder. Jetzt ist da schon der Nachfolger und du bist auch schon der, der nachfolgt. Ach nee, doch nicht. Der warst du zwar gerade noch, aber jetzt nicht mehr. Jetzt nicht mehr. Jetzt bist du der Beerbte. Du wurdest beerbt. Der andere, der war noch besser, war noch weiter, hatte einfach die frischeren Ideen, weißt du? Die waren zeitgemäßer. Nicht so wie deine. Hohl und abgekupfert. Und nicht so frisch. Nicht so anders. Immer muss sich alles ändern. Hier stehen wir nun. Alles wird von uns erwartet und wir wissen nichts. Wir sollen etwas erfüllen, was wir garnicht können. Wir kennen unsere Aufgabe ja überhaupt nicht. Aber uns wird gesagt, wir seien die Zukunft. Das soll uns Mut machen. Sie könnten auch sagen, wir sollten die Welt retten. Welche Welt überhaupt? Uns erst nicht erklären, was das ist, diese Welt, und dann sollen wir die Retter sein?


Wir sind heimatlos, wer wird

Uns nehmen, wird uns führen

Egal wohin?


Auf den Trümmern dessen was war

Sehnen wir uns nach dem, was sein wird,

Einstweilen aber ist nichts

Da...

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